Walter AG Werk Münsingen Der Streik hat begonnen

Bei der Walter AG in Münsingen hat der Streik für einen Sozialtarifvertrag begonnen. In der vorausgegangenen Urabstimmung sprachen sich 94,3 Prozent der abstimmenden IG Metall-Mitglieder für den Arbeitskampf aus. Mit diesem eindeutigen Ergebnis haben die Mitglieder den Weg für den Streik geebnet.

Streik Walter AG

29. September 2026 29. September 2026


Hintergrund für die Verärgerung in der Belegschaft ist die Entscheidung des Arbeitgebers, die Rohlingsfertigung und den Presswerkzeugbau am Standort Münsingen bis Ende 2027 schrittweise nach Schweden zu verlagern. Nach den Plänen des Unternehmens sollen dadurch rund 160 der etwa 480 Arbeitsplätze am Standort wegfallen.

„Das Ergebnis der Urabstimmung ist unmissverständlich: 94,3 Prozent Zustimmung zeigen die große Entschlossenheit und Geschlossenheit unserer Mitglieder. Die Beschäftigten haben über viele Jahre zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Sie erwarten zu Recht, dass die Folgen der Verlagerung nicht allein auf ihren Schultern und denen ihrer Familien abgeladen werden“, erklärt der zuständige Gewerkschaftssekretär Ralf Jaster von der IG Metall Reutlingen-Tübingen.

IG Metall fordert umfassende soziale Absicherung

Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag, der die vom Arbeitsplatzverlust betroffenen Beschäftigten angemessen für den drohenden Verlust ihres Arbeitsplatzes entschädigt.

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Forderung ist eine einjährige Transfergesellschaft. Während dieser Zeit sollen die Beschäftigten finanziell weitgehend abgesichert werden. Zugleich sollen sie umfangreiche Möglichkeiten zur Qualifizierung und beruflichen Neuorientierung erhalten.

„Unsere Forderung verbindet eine angemessene finanzielle Absicherung mit konkreten beruflichen Perspektiven. Wer durch die Verlagerungsentscheidung seinen Arbeitsplatz verliert, braucht eine faire Abfindung, ausreichend Zeit für die berufliche Neuorientierung und gute Qualifizierungsmöglichkeiten“, erklärt Tobias Arndt von der betrieblichen Streikleitung.

Drei Tarifverhandlungen ohne Arbeitgeberangebot

In bislang drei Tarifverhandlungen hat die IG Metall versucht, mit der Arbeitgeberseite eine tragfähige Lösung zur sozialen Absicherung der Beschäftigten zu erreichen. Nach Angaben der Gewerkschaft legte die Arbeitgeberseite jedoch in keiner der drei Verhandlungsrunden ein Angebot für einen Sozialtarifvertrag vor.

Am Montagmorgen fand gegen 8.30 Uhr eine Streikkundgebung vor dem Werk statt. Eine weitere Kundgebung war für den Nachmittag gegen 14 Uhr angekündigt.

Die IG Metall betont, dass der Streik kein Selbstzweck sei. Ziel bleibe der Abschluss eines Sozialtarifvertrags, der der Tragweite des geplanten Arbeitsplatzabbaus gerecht werde und den betroffenen Beschäftigten eine verlässliche soziale Absicherung und berufliche Perspektiven biete. Die IG Metall Reutlingen-Tübingen erwarte vom Vorstand und von der Unternehmensleitung der Walter AG, ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten, ihren Familien und dem Standort Münsingen gerecht zu werden.

„Drei Tarifverhandlungen ohne ein Angebot sind angesichts des geplanten Abbaus von rund 160 Arbeitsplätzen völlig unzureichend. Wer eine so weitreichende Unternehmensentscheidung trifft, muss auch Verantwortung für deren Folgen übernehmen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass der Arbeitgeber endlich ein verhandlungsfähiges Angebot für einen Sozialtarifvertrag vorlegt“, betont Ralf Jaster.

Die Mitglieder der IG Metall haben dem Arbeitgeber ausreichend Gelegenheit gegeben, eine tarifliche Lösung auf den Weg zu bringen. Der Streik ist die Konsequenz daraus, dass die Arbeitgeberseite den Forderungen der IG Metall bislang kein konkretes Angebot gegenübergestellt habe.

„Die Arbeitgeberseite hat es weiterhin in der Hand, den Konflikt einer Lösung näherzubringen. Dafür muss sie endlich ein substanzielles und verhandlungsfähiges Angebot für einen Sozialtarifvertrag vorlegen“, so Ralf Jaster weiter.